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Jobmarkt | 27. Februar 2026 | von Elena Maisenhelder | 3 Min. Lesezeit

Was den Jobmarkt in Therapie & Gesundheit attraktiver machen würde – Ergebnisse einer LinkedIn-Umfrage

Was den Jobmarkt in Therapie & Gesundheit attraktiver machen würde – Ergebnisse einer LinkedIn-Umfrage

Der Arbeitsmarkt im Bereich Therapie und Gesundheit steht seit Jahren unter Spannung. Während der Bedarf an Leistungen steigt, berichten viele Fachkräfte von hoher Belastung, begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten und fehlender Planungssicherheit. Gleichzeitig sehen sich Einrichtungen im ambulanten, klinischen und institutionellen Bereich mit wirtschaftlichen, organisatorischen und personellen Herausforderungen konfrontiert. Um ein aktuelles Meinungs- und Stimmungsbild aus der Branche zu erhalten, wurde eine qualitative LinkedIn-Meinungsumfrage zum Thema Jobsuche & Personalgewinnung durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, wo Fachkräfte Veränderungspotenziale sehen - in Bezug darauf, was aktuell Störfaktoren auf dem Jobmarkt (inkl. Online-Jobmarkt) sind und welche Veränderungen daraus resultieren müssen.  Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse dargestellt. 

Die wichtigsten Themen aus 490 Stimmen

1. Gehalt & Transparenz – das dominierende Thema

Am häufigsten genannt wurden:

  • verpflichtende, transparente Gehaltsangaben

  • klare Definitionen von „überdurchschnittlichem Gehalt“

  • Vergleichbarkeit nach Ausbildung, Spezialisierung und Berufserfahrung

  • realistische Gehaltsversprechen statt „utopischer Anpreisungen“

  • sichtbare Entwicklungsmöglichkeiten mit wachsender Erfahrung

Unklare oder fehlende Gehaltsangaben wurden wiederholt als zentrales Bewerbungshemmnis benannt.

Zudem wurde Transparenz nicht nur beim Gehalt gefordert, sondern auch bei Arbeitszeit, Tätigkeitsprofil, Zusatzaufgaben und organisatorischen Rahmenbedingungen.

2. Qualität und Ehrlichkeit von Stellenanzeigen

Viele Antworten beziehen sich auf die inhaltliche Qualität von Inseraten.

Kritisiert wurden:

  • unkonkrete oder unvollständige Beschreibungen

  • unrealistische Versprechungen

  • Fokus auf „Atmosphäre“ statt auf klare Fakten

  • zusätzliche organisatorische Tätigkeiten ohne transparente Benennung

  • fehlende Differenzierung zwischen Diätassistenz und Ernährungsberatung

  • kaum erkennbare „harte Fakten“ in Praxisanzeigen

Im Vergleich zum öffentlichen Dienst – wo Stellenanzeigen meist standardisiert aufgebaut sind – wurden Praxisanzeigen häufiger als weniger strukturiert wahrgenommen.

Gewünscht werden:

  • realistische Tätigkeitsbeschreibungen

  • transparente Arbeitsbedingungen

  • klare Erwartungen auf beiden Seiten

  • ehrliche Kommunikation statt Image-Rhetorik

3. Struktur des Online-Jobmarktes

Ein stark wiederkehrender Wunsch war ein zentraler, professioneller „Ort“, an dem Suchende und Anbietende strukturiert zusammenkommen.

Genannt wurden:

  • thematisch gebündelte Auffindbarkeit von Stellen

  • differenzierte Suche nach Spezialisierungen

  • bessere Vorschlagslogik auf Basis der eigenen Ausbildung

  • mehr formale Ausschreibungen statt informeller Netzwerksuche

  • mehr Angebote – insbesondere spezialisierte Angebote

  • geringere Kosten für Inserate, besonders für kleinere Praxen

  • mehr Sichtbarkeit individueller Kompetenzen

Ein zusätzlicher Frustfaktor im Online-Bereich:

  • doppelte Stellenanzeigen

  • nicht mehr aktive Angebote („Stellenleichen“)

Diese Punkte betreffen explizit die Struktur des digitalen Jobmarktes.

4. Arbeitsbedingungen & Organisation

Neben der Struktur des Marktes wurden auch konkrete Rahmenbedingungen genannt:

  • mehr Organisations- und Vorbereitungszeit

  • realistische Behandlungszeiten

  • flexible Arbeitszeitmodelle

  • Entlastung durch mehr Fachkräfte

  • klare Rollenverteilungen

  • Anerkennung fachlicher Expertise

  • faire Bedingungen mit entsprechender Vergütung

Mehrfach wurde betont, dass Überbelastung und unklare Strukturen die Attraktivität des Berufs erheblich mindern.

5. Bewerbungsprozesse & Kommunikation

Auch die Qualität der Bewerbungsprozesse wurde thematisiert:

  • mehr Rückmeldungen erwünscht

  • weniger Ghosting

  • einfachere digitale Bewerbungen

  • bessere Vorab-Kommunikation

  • realistischere Erwartungen auf beiden Seiten

Zusätzlich wurde mehr Transparenz über Teams, Arbeitsumfeld und konkrete Einblicke gewünscht – etwa durch Fotos oder strukturierte „Insights“.

6. Qualifikation, Spezialisierung & Perspektiven

Mehrere Antworten bezogen sich auf die langfristige Entwicklung therapeutischer Berufe:

  • mehr akademische und wissenschaftliche Stellen

  • allgemeine Akademisierung

  • bessere Sichtbarkeit von Zusatzqualifikationen

  • Anerkennung interdisziplinärer Kompetenzen

  • Zugang zu Stellen auch ohne bestimmte Zertifikate – mit Perspektive auf Nachqualifizierung

7. Internationalität & Fachkräftemangel

Im Kontext des Personalmangels wurden folgende Punkte benannt:

  • einfachere Anerkennung ausländischer Abschlüsse

  • mehr Internationalität im Arbeitsumfeld

  • generell mehr Therapeut:innen

Einordnung

In der Gesamtschau zeigen sich drei übergeordnete Kernbedarfe:

  1. Transparenz

  2. Struktur

  3. Professionalität

Attraktivität wird nicht ausschließlich über Gehalt definiert. Entscheidend sind:

  • klare Informationen

  • nachvollziehbare Rahmenbedingungen

  • realistische Erwartungen

  • professionelle Kommunikation

  • strukturierte Marktübersicht

Auffällig ist, dass viele Forderungen nicht nur einzelne Arbeitgeber betreffen, sondern die Struktur des gesamten Jobmarktes.

Fakten zur Umfrage

  • Durchführungszeitraum: Dezember 2025 bis Mitte Februar 2026

  • Plattform: LinkedIn

  • Teilnehmende: 490 Personen

  • Rollen: Arbeitnehmer:innen, Arbeitgeber:innen, Lehrende und Studierende

  • Berufsbereiche:
    Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie, Podologie, Osteopathie,
    Diätassistenz / Ökotrophologie / Ernährungstherapie,
    Fitnesstraining, Masseure und medizinische Bademeister:innen

Die Rückmeldungen sind quantitativ am aussagekräftigsten für Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie und Ernährungstherapie, da hier die höchste Beteiligung verzeichnet wurde. Andere Berufsgruppen sind auf LinkedIn im Allgemeinen insgesamt weniger stark vertreten, was sich somit in einer geringeren Anzahl an Antworten widerspiegelt. Dennoch wurden alle acht Bereiche in der Umfrage repräsentiert.

Fazit

Die Umfrage macht deutlich: Der therapeutische Arbeitsmarkt 2026 braucht vor allem Transparenz, Struktur und Professionalität.

Fachkräfte fordern keine Sonderbedingungen, sondern klare Gehaltsangaben, realistische Tätigkeitsprofile, nachvollziehbare Arbeitszeiten und verbindliche Kommunikation. Fehlende Transparenz wird zunehmend zum Bewerbungshemmnis.

Viele der genannten Probleme betreffen nicht einzelne Arbeitgeber, sondern die Struktur des gesamten Jobmarktes. Attraktivität entsteht durch Klarheit, Verlässlichkeit und ehrliche Rahmenbedingungen.

Wer diese Faktoren konsequent umsetzt, stärkt nicht nur seine Arbeitgebermarke, sondern die Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche.

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