Was den Jobmarkt in Therapie & Gesundheit attraktiver machen würde – Ergebnisse einer LinkedIn-Umfrage

Der Arbeitsmarkt im Bereich Therapie und Gesundheit steht seit Jahren unter Spannung. Während der Bedarf an Leistungen steigt, berichten viele Fachkräfte von hoher Belastung, begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten und fehlender Planungssicherheit. Gleichzeitig sehen sich Einrichtungen im ambulanten, klinischen und institutionellen Bereich mit wirtschaftlichen, organisatorischen und personellen Herausforderungen konfrontiert. Um ein aktuelles Meinungs- und Stimmungsbild aus der Branche zu erhalten, wurde eine qualitative LinkedIn-Meinungsumfrage zum Thema Jobsuche & Personalgewinnung durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, wo Fachkräfte Veränderungspotenziale sehen - in Bezug darauf, was aktuell Störfaktoren auf dem Jobmarkt (inkl. Online-Jobmarkt) sind und welche Veränderungen daraus resultieren müssen. Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse dargestellt.
Die wichtigsten Themen aus 490 Stimmen
1. Gehalt & Transparenz – das dominierende Thema
Am häufigsten genannt wurden:
verpflichtende, transparente Gehaltsangaben
klare Definitionen von „überdurchschnittlichem Gehalt“
Vergleichbarkeit nach Ausbildung, Spezialisierung und Berufserfahrung
realistische Gehaltsversprechen statt „utopischer Anpreisungen“
sichtbare Entwicklungsmöglichkeiten mit wachsender Erfahrung
Unklare oder fehlende Gehaltsangaben wurden wiederholt als zentrales Bewerbungshemmnis benannt.
Zudem wurde Transparenz nicht nur beim Gehalt gefordert, sondern auch bei Arbeitszeit, Tätigkeitsprofil, Zusatzaufgaben und organisatorischen Rahmenbedingungen.
2. Qualität und Ehrlichkeit von Stellenanzeigen
Viele Antworten beziehen sich auf die inhaltliche Qualität von Inseraten.
Kritisiert wurden:
unkonkrete oder unvollständige Beschreibungen
unrealistische Versprechungen
Fokus auf „Atmosphäre“ statt auf klare Fakten
zusätzliche organisatorische Tätigkeiten ohne transparente Benennung
fehlende Differenzierung zwischen Diätassistenz und Ernährungsberatung
kaum erkennbare „harte Fakten“ in Praxisanzeigen
Im Vergleich zum öffentlichen Dienst – wo Stellenanzeigen meist standardisiert aufgebaut sind – wurden Praxisanzeigen häufiger als weniger strukturiert wahrgenommen.
Gewünscht werden:
realistische Tätigkeitsbeschreibungen
transparente Arbeitsbedingungen
klare Erwartungen auf beiden Seiten
ehrliche Kommunikation statt Image-Rhetorik
3. Struktur des Online-Jobmarktes
Ein stark wiederkehrender Wunsch war ein zentraler, professioneller „Ort“, an dem Suchende und Anbietende strukturiert zusammenkommen.
Genannt wurden:
thematisch gebündelte Auffindbarkeit von Stellen
differenzierte Suche nach Spezialisierungen
bessere Vorschlagslogik auf Basis der eigenen Ausbildung
mehr formale Ausschreibungen statt informeller Netzwerksuche
mehr Angebote – insbesondere spezialisierte Angebote
geringere Kosten für Inserate, besonders für kleinere Praxen
mehr Sichtbarkeit individueller Kompetenzen
Ein zusätzlicher Frustfaktor im Online-Bereich:
doppelte Stellenanzeigen
nicht mehr aktive Angebote („Stellenleichen“)
Diese Punkte betreffen explizit die Struktur des digitalen Jobmarktes.
4. Arbeitsbedingungen & Organisation
Neben der Struktur des Marktes wurden auch konkrete Rahmenbedingungen genannt:
mehr Organisations- und Vorbereitungszeit
realistische Behandlungszeiten
flexible Arbeitszeitmodelle
Entlastung durch mehr Fachkräfte
klare Rollenverteilungen
Anerkennung fachlicher Expertise
faire Bedingungen mit entsprechender Vergütung
Mehrfach wurde betont, dass Überbelastung und unklare Strukturen die Attraktivität des Berufs erheblich mindern.
5. Bewerbungsprozesse & Kommunikation
Auch die Qualität der Bewerbungsprozesse wurde thematisiert:
mehr Rückmeldungen erwünscht
weniger Ghosting
einfachere digitale Bewerbungen
bessere Vorab-Kommunikation
realistischere Erwartungen auf beiden Seiten
Zusätzlich wurde mehr Transparenz über Teams, Arbeitsumfeld und konkrete Einblicke gewünscht – etwa durch Fotos oder strukturierte „Insights“.
6. Qualifikation, Spezialisierung & Perspektiven
Mehrere Antworten bezogen sich auf die langfristige Entwicklung therapeutischer Berufe:
mehr akademische und wissenschaftliche Stellen
allgemeine Akademisierung
bessere Sichtbarkeit von Zusatzqualifikationen
Anerkennung interdisziplinärer Kompetenzen
Zugang zu Stellen auch ohne bestimmte Zertifikate – mit Perspektive auf Nachqualifizierung
7. Internationalität & Fachkräftemangel
Im Kontext des Personalmangels wurden folgende Punkte benannt:
einfachere Anerkennung ausländischer Abschlüsse
mehr Internationalität im Arbeitsumfeld
generell mehr Therapeut:innen
Einordnung
In der Gesamtschau zeigen sich drei übergeordnete Kernbedarfe:
Transparenz
Struktur
Professionalität
Attraktivität wird nicht ausschließlich über Gehalt definiert. Entscheidend sind:
klare Informationen
nachvollziehbare Rahmenbedingungen
realistische Erwartungen
professionelle Kommunikation
strukturierte Marktübersicht
Auffällig ist, dass viele Forderungen nicht nur einzelne Arbeitgeber betreffen, sondern die Struktur des gesamten Jobmarktes.
Fakten zur Umfrage
Durchführungszeitraum: Dezember 2025 bis Mitte Februar 2026
Plattform: LinkedIn
Teilnehmende: 490 Personen
Rollen: Arbeitnehmer:innen, Arbeitgeber:innen, Lehrende und Studierende
Berufsbereiche:
Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie, Podologie, Osteopathie,
Diätassistenz / Ökotrophologie / Ernährungstherapie,
Fitnesstraining, Masseure und medizinische Bademeister:innen
Die Rückmeldungen sind quantitativ am aussagekräftigsten für Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie und Ernährungstherapie, da hier die höchste Beteiligung verzeichnet wurde. Andere Berufsgruppen sind auf LinkedIn im Allgemeinen insgesamt weniger stark vertreten, was sich somit in einer geringeren Anzahl an Antworten widerspiegelt. Dennoch wurden alle acht Bereiche in der Umfrage repräsentiert.
Fazit
Die Umfrage macht deutlich: Der therapeutische Arbeitsmarkt 2026 braucht vor allem Transparenz, Struktur und Professionalität.
Fachkräfte fordern keine Sonderbedingungen, sondern klare Gehaltsangaben, realistische Tätigkeitsprofile, nachvollziehbare Arbeitszeiten und verbindliche Kommunikation. Fehlende Transparenz wird zunehmend zum Bewerbungshemmnis.
Viele der genannten Probleme betreffen nicht einzelne Arbeitgeber, sondern die Struktur des gesamten Jobmarktes. Attraktivität entsteht durch Klarheit, Verlässlichkeit und ehrliche Rahmenbedingungen.
Wer diese Faktoren konsequent umsetzt, stärkt nicht nur seine Arbeitgebermarke, sondern die Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche.


