Background Pattern

Neuigkeiten, Tipps und Stories.

Fortbildungen | 5. Juni 2026 | von Elena Maisenhelder | 4 Min. Lesezeit

„Therapie ist kein Lehrplan“ – Ein Interview mit Dani Cullen über evidenzbasierte Sprachtherapie, Fortbildungsqualität und berufliches Wachstum

„Therapie ist kein Lehrplan“ – Ein Interview mit Dani Cullen über evidenzbasierte Sprachtherapie, Fortbildungsqualität und berufliches Wachstum

Was macht eine hochwertige Fortbildung aus? Mit TherAkademie hat Dani Cullen eine Plattform geschaffen, die wissenschaftliche Fundierung, Praxisnähe und moderne sprachtherapeutische Werte miteinander verbindet. Im Interview mit TheraFair (Elena Maisenhelder) spricht sie über ihre Motivation, Qualitätsstandards in der Fortbildung und die Herausforderungen evidenzbasierter Sprachtherapie im Alltag.

(Anzeige)

Elena Maisenhelder (TheraFair): Hallo Frau Cullen! TherAkademie setzt auf praxisnahe und qualitätsgeprüfte Online-Fortbildungen. Was war Ihre Motivation, ein spezialisiertes Fortbildungsangebot für Logopädinnen und Sprachtherapeutinnen im Online-Format aufzubauen? 

Dani Cullen (TherAkademie): Bevor ich TherAkademie gegründet habe, hatte ich als Sprachtherapeutin schon einige Fortbildungen besucht. Einige von ihnen waren sehr gut. Bei anderen war ich unzufrieden.
Mal hatte der Dozent nur Bezug zur Theorie, aber wenig praktische Erfahrung. Die Fortbildung war entsprechend theoretisch fundiert, im Praxisalltag aber nicht umsetzbar. Ein anderes Mal wurden völlig veraltete, längst widerlegte Inhalte vermittelt. Andere Fortbildungen waren pure Frontalvorträge; das finde ich gerade online nicht ideal.
Bei den Fortbildungen, die ich selbst gebe, bemühe ich mich sehr, sowohl theoretisch fundierte als auch praktisch umsetzbare Inhalte interaktiv zu vermitteln. Daher wollte ich eine Plattform erschaffen, auf der alle Fortbildungen diese und weitere Qualitätskriterien erfüllen.

Elena Maisenhelder: Welche Kriterien muss eine Fortbildung denn erfüllen, damit sie in das Programm von TherAkademie aufgenommen wird und woran erkennen Sie bzw. die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Qualität konkret? 

Dani Cullen: Die Inhalte der Fortbildung müssen nach wissenschaftlichen Standards erstellt werden und hinsichtlich der Evidenzlage eingeordnet werden. Die Dozent*in sollte sowohl über theoretisches Wissen als auch entsprechende Berufserfahrung verfügen, um praxisnahe Inhalte vermitteln zu können. Fortbildungsinhalte müssen außerdem den TherAkademie-Werten entsprechen und damit anti-rassistisch, anti-ableistisch und neuroaffirmativ sein und eine würdevolle, teilhabeorientierte Sprachtherapie fördern. 
Das Feedback der Teilnehmenden nach dem ersten Termin entscheidet zudem, ob die Fortbildung wieder bei TherAkademie angeboten wird.

Elena Maisenhelder: Viele Therapeutinnen und Therapeuten möchten ihre Arbeit evidenzbasiert gestalten, stehen im Praxisalltag aber oft unter Zeitdruck oder die Rahmenbedingungen erschweren evidenzbasiertes Arbeiten. Wie gelingt es aus Ihrer Sicht, wissenschaftliche Erkenntnisse sinnvoll und alltagstauglich in die Therapie zu integrieren? 

Dani Cullen: Zusätzlich zum Zeitmangel besteht noch das Problem, dass die meisten logopädischen Therapiekonzepte nur wenig externe Evidenz haben. Wenn man sich auf Ansätze mit ausreichend Evidenz beschränken würde, wäre die Auswahl sehr gering. Ich denke aber auch, dass viele Therapeut*innen einerseits unterschätzen, wie evidenzbasiert sie schon arbeiten; ihre klinische Expertise und die Präferenz der Patient*innen sind ja auch wichtige Evidenzsäulen, die sie schon beachten. Andererseits überschätzen viele den Zeitaufwand für eine Recherche.
Ein erster Schritt kann sein, für das Störungsbild, das man am häufigsten therapiert, die aktuelle Evidenzlage zu checken und sich mit den neuesten Leitlinien dazu vertraut zu machen. Man muss nicht gleich alle Studien gelesen haben – ein erster Überblick verbessert schon die Qualität. 

Elena Maisenhelder: Gab es in Ihrer eigenen beruflichen Laufbahn eine Erkenntnis oder ein Fortbildungserlebnis, das Ihre Sicht auf Sprachtherapie nachhaltig verändert hat? 

Dani Cullen: Ja, ich denke mein Grundverständnis vom Beruf als Sprachtherapeutin hat sich für mich in den letzten Jahren stark verändert. Als Berufsanfängerin habe ich mir gewünscht, einen Leitfaden für jedes Störungsbild zu bekommen: Das machst du in Sitzung 1, dieses Skript gehst du in der Beratung durch, dort stehst du in Sitzung 7. Diesen Wunsch äußern auch viele in meinen Fortbildungen und ich finde ihn weiterhin nachvollziehbar. Zwar wurde mir das schon im Studium vermittelt, aber es ist erst nach ein paar Jahren im Beruf richtig bei mir angekommen: Therapie ist kein Lehrplan. Sie ist per Definition hochindividuell. 

Elena Maisenhelder: Mit dem Wissen und den Erfahrungen, die Sie heute haben: Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich zum Berufseinstieg als Sprachtherapeutin, aber auch anderen Berufseinsteigern in der Sprachtherapie und Logopädie gerne mit auf den Weg geben? 

Dani Cullen: Es lohnt sich, dran zu bleiben. Der Berufseinstieg ist erstmal demotivierend, weil man trotz Studium oder Ausbildung das Gefühl hat, nicht kompetent genug zu sein. Du kannst viel mehr, als du glaubst und wirst immer weiter wachsen. Tausch dich mit Kolleg*innen aus, such dir eine Mentor*in mit mehr Erfahrung, besuche Fortbildungen. Du verdienst gute Arbeitsbedingungen, lass dich auch davon nicht abbringen.

Elena Maisenhelder: Vielen Dank Frau Cullen! Im Interview wird deutlich, dass gute Sprachtherapie und Logopädie nicht von starren Konzepten lebt, sondern von der Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse, klinische Erfahrung und die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten miteinander zu verbinden. Sie plädieren dafür, Evidenz nicht als Hürde, sondern als Orientierung zu verstehen und sich auch als Berufsanfängerin Zeit für die eigene Entwicklung zu geben. Wir bedanken uns herzlich für das offene Gespräch und die Einblicke in die Philosophie der TherAkademie.

Wer mehr über das Fortbildungsangebot von TherAkademie erfahren möchte, darf gerne online vorbeischauen:

https://therakademie.de/

Übrigens: Jobsuchende, die sich über TheraFair bei Arbeitgebern bewerben, erhalten 10 % Rabatt auf Fortbildungen bei TherAkademie!

Zurück zur Übersicht